Technologietransfer in der Pharmaindustrie

Es geht zuerst um die Technologie

Zentral für den Technologietransfer ist in diesem Fall immer der Transfer der Technologie selbst

Ganz gleich, ob es sich um einen Technologietransfer oder einen einfacheren Produktionstransfer handelt.

Um keine Zeitverzögerung bei der Anmeldung beziehungsweise der Anpassung der Zulassungsdokumente zu haben, sollte der Transfer so gestaltet sein, dass möglichst wenige technologische Änderungen notwendig sind. Das heißt die wesentlichen Herstellprozessschritte sollten mit derselben Technologie durchgeführt werden, zum selben Resultat führen und „ähnlich“ sein.

Beim Technologietransfer lassen Sie die Spezifikationen üblicherweise unangetastet. Schließlich wollen Sie das Produkt am neuen Standort innerhalb der unveränderten Spezifikationen produzieren.

Die Anforderungen der „gleichen Technologie“ sind meist relativ einfach zu transferieren. Bei älteren Produkten, die noch auf den ursprünglichen Anlagen laufen, ist dagegen meist ein sehr großer technologischer Sprung notwendig, mit dem man auf moderne Anlagen wechselt.

 

Systematische Versuchsplanung

Entgegen dieser trail-and-error Technik versuchen wir die Verfahrensschritte so zu transferieren, dass nicht die „Parameter Settings“ identisch sind, sondern die Anlage das gleiche Verhalten zeigt.

Konkret testen wir – wann immer möglich – den Einfluss der wichtigsten Parameter zunächst in Kleinversuchen im Labor. In diesem Beispiel wären das etwa die Zugabemenge und Zugabegeschwindigkeit der Flüssigkeit, die Viskosität der Flüssigkeit, der Sprühkegel, die Geschwindigkeit des Granulators, die Geschwindigkeit des Chopper-Rades, und die Gesamtmenge der Mischung.

Diese Versuche werden nicht einzelnen durchgeführt (als sogenannte OFAT „one factor at a time“ Experimente), sondern als Faktorkombinationen. Die Parameter werden in Blöcken gemeinsam nach einem bestimmten Schema geändert. In diesem Schritt die richtigen Kombinationen zu definieren ist unserer Auffassung nach einer der wesentlichsten Punkte, um die Versuche rasch und effizient durchzuführen.

So würde sich für die oben genannten Parameter zum Beispiel ein „acht Versuche Programm“ anbieten. Die Kosten eines solchen Laborversuchs betragen nur den Bruchteil einer industriellen Produktion. Die Datenlage nach der Durchführung im Labor ist aber wesentlich besser, als nach nur einem einem technischen Batch.

Nach der Labordurchführung und Auswertung kann man bereits eine erste funktionierende Abschätzung für die richtigen Einstellungen der Produktionsanlage machen. Dadurch erreicht man wesentlich bessere Startbedingungen, um möglicherweise nur einen technischen Batch produzieren zu müssen oder, falls man eine sehr solide Datenlage hat, sofort in die Validierung zu gehen. Auch für Optimierungen (schnellere Produktion /höhere Qualität) bietet dieser Ablauf die richtige Basis.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit ergeben die Versuche, dass die alten Einstellungen nicht einfach für die neue Anlage übernommen werden können. Der neue Granulator ist größer und fährt bei gleicher Geschwindigkeitseinstellung (der Rotation) höhere Lineargeschwindigkeiten, das heißt er bringt höhere Scherkräfte bei gleicher Rotation auf. Dementsprechend wird sich die Größenverteilung der hergestellten Granulate verschieben. Um ähnliche Bedingungen wie in der bestehenden Herstellung zu gewährleisten, muss der neue Granulator also langsamer fahren (langsamer rotieren) als der der alten Anlage. Nur dann bekommen Sie die ähnlichen beziehungsweise identischen Scherkräfte, wie im bestehenden Prozess.

Mit unserer Vorgehensweise, prüfen wir dann Prozessschritt für Prozessschritt und schlagen die notwendigen Adaptionen für die GMP Produktion vor. Wir konzentrieren uns dabei auf ein Minimum an Laborversuchen und schonen so das Budget für die Validierungsläufe in der Produktion.

Zusammengefasst bedeutet das für den Technologietransfer:

Wir modellieren beide Prozesse (alte/neue) mithilfe einiger Laborversuche. Dadurch erhalten wir valide Einblicke in die Technologie des Prozessschrittes selbst und können diesen dann leicht auf neue Anlagen anpassen. Technische Versuche in der Produktion mit voller Batchgröße werden so auf das unbedingt notwendige Maß verringert, Kosten gesenkt und die Transferzeit deutlich reduziert.

Bei weiteren Fragen zum Technologietransfer stehen wir Ihnen jederzeit zur Verfügung. Kontaktieren Sie uns gerne!